1914 - 1918

Der Erste Weltkrieg

Die Heimat im Schatten

Der Erste Weltkrieg ist mit dem Schicksal von Millionen Soldaten verbunden. Doch hinter der Front kämpfte die deutsche Gesellschaft ihren eigenen Kampf gegen Verlust, Hunger und wachsende Hoffnungslosigkeit. Diese Seite nähert sich dem Krieg aus der Perspektive der deutschen Zivilbevölkerung an um ein besseres Bewusstsein für den Schrecken des 1. Weltkrieges zu schaffen.

Zur Geschichte

Alltag im Krieg

Gefallene Soldaten im Schützengraben

Eine Frau in der Rüstungsindustrie

Kinder und Jugendliche auf dem Weg zur Arbeit

Auf Essen wartende Menschenmenge

1916-1917

Zerrissenheit im Dorf

Im dritten Kriegsjahr zeigten sich bereits Risse in der Gesellschafr, die der Krieg in die deutschen Gemeinden geschlagen hatte, immer deutlicher. Was zuerst als einigendes nationales Ereignis beworben worden war, spaltete nun zunehmend die Gesellschaft: Zwischen denen, die auf einen Sieg beharrten, und denen, die schlicht Frieden wollten, klaffte ein tiefer Graben. Selbst in kleinen westfälischen Dörfern standen Nachbarn einander feindselig gegenüber. Die Fronten verliefen mitten durch Gemeinden, Familien und Freundschaften.

Quelle: Q2

„Die Ausweitung der Kriegsschauplätze ließ bange Ahnungen immer mehr Platz greifen. Die Sehnsucht nach Frieden [wurde] immer deutlicher!"

Dorfchronist aus Westfalen, 1916/1917
Dezember 1916 - Februar 1917

Ein Brief als Abschied

Hinter jedem Verlust verbarg sich ein Mensch, ein Sohn, ein Bruder, ein Vater. Die Tagebucheinträge einer jungen Frau aus dieser Zeit zeigen, wie der Krieg das Innerste der Familien erschütterte: die Ungewissheit um das Leben geliebter Menschen, die Stille beim Weihnachtsfest, das sonst von Freude geprägt war oder schließlich die erschütternde Nachricht, die Millionen deutsche Familien erhalten mussten Was für ferne Kommandostellen eine Zahl war bedeutete für Mütter und Geschwister das verlieren eines geliebten Mitmenschens oder Familienmitglieds.

Quelle: Q3

„Heute morgen erhielten wir ein Telegramm. Unser guter Heinrich ist gestorben. Ich kann es nicht glauben, ich kann nicht weinen, denn ich begreife das Wort gestorben nicht."

Amalie Ebert, Tagebucheintrag vom 15. Februar 1917
1917

Die stille Not zu Hause

Der Krieg forderte seinen Tribut nicht nur an der Front. Zu Hause hatten Frauen ganz andere Probleme wie z.B Hunger, Krankheit und wachsende Schulden zu bekämpfen. Mit mehreren Kindern auf sich allein gestellt, ohne ausreichende Versorgung und oft selbst körperlich erschöpft, wandten sich viele von ihnen mit Briefen an Behörden. Ein Brief einer Soldatenfrau zeigt Probleme wie kranke Kinder, verdorbene Lebensmittel oder Schulden für die notwendigsten Dinge des Alltags auf.

Quelle: Q6

„Dies alles macht mich völlig hoffnungslos, dazu der stete Gedanke, mein Mann immer in Lebensgefahr ist und ein Verschulden meinerseits nicht vorliegt."

Brief einer Soldatenfrau an die Behörden, 1917
September 1918

Friede um jeden Preis

Im Herbst 1918 wertete die Postüberwachungsstelle viele Briefe aus. Was sie darin fanden, ließ keinen Zweifel: Die Stimmung hatte sich längst vom Krieg abgewandt. Nicht mehr Siegeswille, sondern Mismut und Erschöpfung prägten die Briefe. Viele hatten sich innerlich damit abgefunden, dass Deutschland den Krieg verlieren würde und wünschten sich ein Ende. Die Berichte der Überwachungsstellen zeichnen das Bild einer Gesellschaft, die den Glauben an den Sieg endgültig verloren hatte.

Quelle: Q7

„Kriegsmüdigkeit und Friedenssehnsucht sind allgemein. Die Briefschreiber haben sich mit der nackten Tatsache abgefunden und können nicht länger auf einen Sieg hoffen."

Postüberwachungsstelle der 6. Armee, 4. September 1918
Oktober 1918

Das Eingeständnis der Niederlage

Am 1. Oktober 1918 versammelten sich hochrangige Offiziere zu einem Gespräch, das die schlechte militärische Lage deutlich machte. General Ludendorff erklärte, dass die Situation „furchtbar ernst“ sei. Die Westfront könne täglich durchbrochen werden, und eine endgültige Niederlage sei wohl unvermeidlich. Diese Einschätzung bedeutete nicht nur das militärische Ende der deutschen Kriegsanstrengungen, sondern führte auch zu politischen Konsequenzen. Ludendorff erklärte, dass nun jene politischen Kräfte die Regierung übernehmen und den Frieden schließen sollten, denen man die bisherige Entwicklung des Krieges zuschrieb. Damit wurden bereits die politischen Spannungen sichtbar, die Deutschland in den folgenden Jahren prägen sollten.

Quelle: Q9

„Die O.H.L. und das deutsche Heer seien am Ende; der Krieg sei nicht nur nicht mehr zu gewinnen, sondern die endgültige Niederlage wohl unvermeidlich."